Rennvelo war der Inbegriff von „uncool“. Anno 1996. Naja vielleicht ist es das auch heute noch so bei der jüngeren Generation.
Bei mir hat sich seit einigen Monaten die Einstellung jedoch ein ganz wenig geändert, was ja ab 30 erlaubt ist. Heute sehe ich das Rennvelo als sehr vernünftiges Sportgerät: Keine komplizierte Routenplanung wie beim Biken, bedeutend weniger Dreck und Schlamm und irgendwie sorglos.
Mit diesen Gedanken habe ich das alte Cinelli meines Vaters aus dem Keller geholt, gepumt und neues schwarzes Band um den Lenker rumgewickelt, dessen Form mir übrigens bis heute eine Rätsel ist. Und natürlich habe ich neue Schuhe gekauft mit diesen Plastik-Klipp-Dinger.
Am Samstag stand die Junfernfahrt um den Zürichsee an. Nicht ganz so sorglos wie erwartet: Mein Rücken vermisste nach rund 1h die dämfende Federgabel und konnte sich mir der gestreckten Körperhaltung nicht so richtig anfreuden. Mit gestreckt meine ich so richtig gestreckt denn mein Vater ist nicht nur ein ambitionierte Racer sondern auch gross. Naja und der Sattel war natürlich auch keine Freude.
Anyway: Es hat mächtig Spass gemacht – und als mein Bruder mir ein Foto von seinem Mountainbike nach seinem Ausflug mailte, wusste ich, dass zumindest die etwas sauberere Umgebung ein Argument ist zwischendruch auf’s Rennvelo zu liegen.